
Rund um Island
Die Geschichte von JayBiking Iceland beginnt am Vorabend des Fluges. Ich hatte kleinere Probleme bei packen des Fahrrads, so dass sich alles etwas verzögert hat. Also haben wir uns entschieden nicht schon am Abend nach Düsseldorf zu fahren und mein Gepäck aufzugeben. Konsequenz: kein Schlaf und um 3:00 Uhr auf zum Flughafen. Dann: alles easy, jede Menge Zeit.
Und auf nach Island!
Am Flughafen Keflavík gab es leider keine Möglichkeit den Fahrrad-Karton zu verstauen, also Fahrrad aufbauen, Karton auf den Rücken schnallen und auf zur Unterkunft (4km).
Anna (Host) war super freundlich, ich konnte den Karton dort in der Garade lassen, am letzten Tag werde ich wieder in ihrer Unterkunft übernachten.
Anna gab mir auch den Tipp nicht nach Reykjavik zu fahren um Benzin für den Kocher zu besorgen, da es entsprechendes Benzin auch in Keflavík gibt… Naja, viel hin und her: Aspen 4 gekauft, nicht wirklich das, was ich wollte, sollte aber funktionieren.
Am Abend noch ein kleiner Spaziergang am Meer, zum Abendessen nochmal kurz zum Supermarkt, früh ins Bett... Oder auch nicht...
Richard (ich hoffe der Name stimmt, ich bin mit Namen nicht wirklich gut und es ist 3 Wochen her…) und seine Frau haben ebenfalls eingecheckt, ein Pärchen aus Australien. Richard erzählt, dass sie normalerweise immer mit Fahrrad unterwegs sind... Wir haben ein Thema...
21:30 dann aber doch ins Bett...
Etappe 1
Die Zeitumstellung macht mir doch ein bisschen zu schaffen, 7:30 Ortszeit bin ich quasi Aufbruch bereit, ich verabschiede mich kurz, fahre zum Supermarkt, Frühstück und auf geht es.
Erst Stadt...
Dann über die erste Kuppe und ich bin "in der Natur" - ein breites Grinsen auf meinem Gesicht, es ist geil wieder unterwegs zu sein!
Und Island ist einfach wunderschön... Mal schwarz & karg und dann grün & lebendig...
Der erste Tag hat direkt ein paar knackigem Anstiege zu bieten, trotzdem läuft die Etappe super, gegen 15:00 Uhr bin ich bereits am Ziel.
Super gemütlicher Campingplatz in einem schönen kleinen Städtchen, was ich mir natürlich nach dem Essen auch noch ansehe...
Campingplatz hatte eine Küche, Benzintest also auf Tag 2 verschoben.
Etappe 2
Der Campingplatz ist früh auf den Beinen, einige haben schon das Auto beladen, als ich um 7:00 Uhr zum Frühstück gehe. Zeit abbauen und los...
Der Tag beginnt gut, keine Probleme, klasse Straße, was will man mehr?
Straße wird aber auf Dauer das Proben, es gibt wenig Platz zum Ausweichen, oder um Pause zu machen. Die Landschaft ist super schön, aber die Straße ist "langweilig". Einige Autos überholen mit nur cm Abstand, andere machen so große Bögen, dass die eher den Gegenverkehr gefährden...
Der erste Wasserfall auf der heutigen Tour: Seljalandsfoss
Danach zum Eyjafjallajökull. Wer erinnert sich noch?
Auch in diesem Jahr ist es windig am Eyjafjallajökull, dieses Mal kommt der Wind jedoch aus der richtigen Richtung.
Mein Zeltplatz liegt quasi direkt am Skogafoss, einem fantastischen Wasserfall.
Da ich erneut reichlich früh am Zeltplatz bin, mache ich noch eine kleine Wanderung (5km 200hm).
527 Stufen führen auf eine Plattform oberhalb des Wasserfalls mit großartigem Weitblick.
Wenn man dem Wanderweg entlang des Flusses folgt, wird man mit noch mehr Wasserfällen belohnt: Hestavadsfoss, Fosstorfufoss, Steinbogafoss...
Der Wind (an diesem Abend hätte ich es fast „Sturm“ genannt, aber dann gäbe es zu wenig Steigerung, zu dem, was noch kommen sollte) bleibt auch in der Nacht, Zelt wackelt, hält aber ohne Probleme.
Etappe 3
Die Etappe war reichlich intensiv.
Am Vormittag Nieselregen und leichter Wind.
Ich erreiche an diesem Vormittag die Steigung, an der vor 10 Jahren Schaltung gestreikt hat.
In einem Auto, was an mir an der Steigung (12%) vorbeifährt, sitzen 2 Kids, die mich anfeuern.
Am Mittag kommt die Sonne heraus und der Wind frischt auf. Zunächst Rückenwind, aber gegen Nachmittag (teils starker Wind) von der Seite - nicht ganz ungefährlich...
Auch ein Aschesturm bleibt mir an diesem Tag nicht erspart. Dennoch komme ich guter Dinge am Zeltplatzt an.
Etappe 4
Die vierte Etappe ist kurz, das Wetter (zumindest am Vormittag) ist klasse.
Das ist ein guter Grund den Tag so richtig zu genießen und den ein oder anderen Abstecher zu ein paar „Sehenswürdigkeiten“ zu machen: Stjórnarfoss, Hamrafoss, Fossalar
Außerdem führt die Etappe den ganzen Tag auf den Gletscher Svínafellsjökull zu, was ein großartiger Anblick ist.
Gegen Mittag kommt wieder Gegen- und Seitenwind auf.
Der Seitenwind führt zu meinem ersten (und einzigen) Crash auf der Tour, als ich von einer Windböe auf den Schotter neben der Straße geschoben wurde.
Bei meiner letzten Pause (ca. 10km vor dem Zeltplatz) fragt eine Frau, ob ich was brauche Wasser? Essen? Super nett, aber unnötig.
Am Nachmittag/Abend genieße ich die Zeit auf einem kleinen, gemütlichen Zeltplatz bei 18° und strahlendem Sonnenschein.
Etappe 5
Morgens um 6:30 bilden sich bereits Schlangen vor den Duschen, ich bin froh, dass ich diese am Morgen nicht brauche...
Nach dem Frühstück geht es los, noch bevor ich die Hauptstraße wieder erreicht habe stehen 2 Kids mit ihrer Mutter auf dem Feldweg vor einem Ferienhaus und feuern mich fröhlich an.
Auch ist dieser Tag ein gutes Beispiel, wie sehr sich der Wind auf die Geschwindigkeit auswirkt. Am Vormittag fahre ich mit Rückenwind ohne Probleme bis zu 33km/h auf ebener Strecke, am Nachmittag mit Gegenwind gerade mal 18km/h.
Für meine Mittagspause halte ich am Jökulsárlón Glacier Lake / Diamondbeach, einer der malerischsten Plätze in ganz Island.
Da ich auch an diesem Tag wieder reichlich zeitig am Zeltplatz ankomme, war es etwas ärgerlich, dass ich über den Tag verteilt nicht mehr Aussichtspunkte mitgenommen zu haben, aber am Abend kann man das halt nicht mehr ändern.
Die letzte Stunde der Etappe fahre ich bei leichtem Regen und die Rezeption des Zeltplatzes ist noch nicht besetzt. An sich nicht schlimm, Zelt aufbauen ist ja kein Problem, allerdings braut man für die Duschen Münzen (100Kr/2min) - ich Frage an einem Wohnwagen nach Münzen, die Antwort „Sorry, leider nein...“ - 2 Minuten später kommt die Frau zu mir "habe 2 gefunden..." :D
Etappe 6
An diesem Tag komme ich später los. Als ich schon dabei bin mein Rad zu beladen, komme ich mit meinen Zeltnachbarn ins Gespräch, eine Familie aus Hamburg. Zunächst mit dem Dad, aber vor allem der kleine Sohn (8-12) wollte dann alles wissen: „Wo kommst du her? Wo fährst du hin? Was machst du, wenn du nicht Fahrrad fährst? Wieso machst du das? ...“
Aber dann ging es los zu meinem „Strandtag“: Bei sonnigen 18°C, also bestem Farrad-Wetter ging es dem ganzen Tag immer wieder am Meer entlang.
Zwischendrin ein Tunnel (mit Steigung – wieso?), in mir kommt die Frage auf: darf ich hier fahren? Ich habe kein Schild gesehen, also was solls. Unglücklicherweise war auch noch die Batterie meiner Rückleuchte seit dem Vormittag leer, aber man ist ja einfallsreich: Handy-Taschenlampe an, Handy in Radhose und los geht’s.
Die letzten 15km werden nochmal richtig anstrengend, ständig auf und ab. Zwischen km 90 & km 95 mit teils heftigen Rampen, dann etwas seichter, aber mit Gegenwind...
Egal. Der Zeltplatz direkt am Meer / Hafen entschädigt für die Strapazen.
Etappe 7
Auf diesen Zeltplatz scheinen sich eher Langschläfer eingefunden zu haben. Als ich um 7:00 frühstücke, ist außer mir noch niemand auf den Beinen, viele stehen erst auf, als ich losfahre.
Es ist bewölkt und windig
Der Weg führt mich zuerst 20km in die Bucht rein und anschließend wieder aus der Bucht raus. Nach 40 gefahrenen Kilometern bin ich 1,5 km Luftlinie vom Zeltplatz entfernt. Zunächst reagiert der Kopf darauf negativ – auf der anderen Seite waren das 40 km in einer wundervollen Landschaft (wenn auch beide Richtungen gegen den Wind, wie ist das möglich?), wen kümmert es da noch, wo der Zeltplatz von gestern war?
Von den 122 Kilometern dieses Tages war fast 80 km eher gegen den Wind, aber die letzten 40, den Wind im Rücken.
Auch gab es an diesem Tag den zweiten Tunnel. Dieser 6km lang und (anders als der Tunnel am Tag zuvor) ohne Seitenstreifen… Natürlich habe ich es nicht geschafft mir am Tag zuvor eine neue Batterie zu besorgen. Aber ich weiß ja, wie es mit dem Handy funktioniert. Für diesen Tunnellade ich mir sogar noch eine App, die es meinem Handybildschirm ermöglicht rot zu blinken, davon erhoffe ich mir bessere Sichtbarkeit. Ein mulmiges Gefühl bleibt trotzdem, ich bin froh, als ich das Licht auf der anderen Seite sehe.
Als ich abends am Zelt sitze und mir die Etappe für den nächsten Tag ansehe, kommen mir leise Zweifel, ob die Planung gut ist.
Die ursprüngliche Planung (Option A) lautet 125 km mit 1660 Höhenmetern und 28,5km auf (laut komoot) „festem Kies“. Bei meinen Touren in den letzten Jahren waren die Angaben über die Wege bei komoot meist sehr gut. In Island musste ich jedoch feststellen, dass nicht alles, was komoot als „festen Kies“ bezeichnet auch wirklich fahrbar ist, teilweise ist der Kies dann doch eher lose und sehr tief. Und bei diesen Bedingungen 28,5km mit über 200 Höhenmetern? Ich bin skeptisch.
Option B belaufen sich dann aber auf 141 km, auch keine tollen Aussichten, vor allem nicht mit viel Wind, dafür mit nur 1450 Höhenmetern und nur 6,5 km auf "fester Kies".
Meine Optionen sind festgelegt. Ich beschließe bis zum entscheidenden Abzweig zu fahren, mir die Beschaffenheit des „festen Kies“ anzusehen und dann vor Ort zu entscheiden.
Etappe 8.1
Es kommt sowieso anders.
In der Nacht tobt ein heftiger Sturm. Ich beginne daran zu zweifeln, dass ich überhaupt eine der beiden Optionen umsetzen kann.
Ich schaue in den Wetterbericht. Für den Tag angekündigt sind Windgeschwindigkeiten von bis zu 50km/h...
Habe ich noch eine andere Option...
Die nächste, größere Stadt ist Egilsstadir. Bis dort sind es 35km mit 600 Höhenmetern. Von dort würde es sogar einen Bus geben, der mich in die Nähe es Ziels von Etappe 8 oder gar zum Ziel von Etappe 9 bringen könnte. Dieser fährt jedoch nur 1x / Tag um 8:30, also sowieso eine Entscheidung für den Abend oder den nächsten Morgen.
Zunächst gilt es die 35Kilometer bis Egilsstadir zu bewältigen.
Beginn läuft bei den gegebenen Umständen sogar ganz gut, die ersten 5km schaffe ich in 30min.
Den Gegenwind habe ich seit den ersten Metern im Gesicht, die Steigung beginnt nach 2,5 Kilometern. 6,5km, 4% im Schnitt, aber deutlich steiler im Mittelteil.
Dann beginnt auch noch Nieselregen, mir bleibt an diesem Tag wenig erspart, was Radfahren unschön macht. Dafür sehe ich den ein oder anderen Regenbogen :D
Ein LKW hält neben mir, fragt, on der mich mitnehmen soll. Es läuft ja gerade ganz gut, ich lehne dankend an, ob ich das später noch bereue?
Die Steigung wird steiler, der Wind wird heftiger, aus Nieselregen wird Hagel. Hätte ich doch in den LKW steigen sollen?
Zusätzlich zu dem Gegenwind immer wieder unvorbereitet Böen, mal von rechts, mal links.
Streckenweise schiebe ich das Fahrrad, weil fahren einfach zu gefährlich ist. Teilweise ist sogar das unmöglich, weil das Fahrrad kaum zu halten ist.
Ich beiße mich durch.
Nach ca. 15km (mehr oder weniger) bergauf, habe ich den höchsten Punkt des Tages erreicht und es geht die nächsten 10km größtenteils abwärts. Die höhere Geschwindigkeit sorgt natürlich auch für mehr Stabilität im Fahrrad, so dass ich halbwegs sinnvoll vorankomme. Um von den Windböen nicht von der Straße gefegt zu werden, fahre ich reichlich weit in der Mitte, die meisten Autofahrer scheinen dafür Verständnis zu haben.
Im Dorf angekommen bin ich im Dilemma...
Soll ich am nächsten Tag wirklich den Bus nehmen? Oder soll ich vielleicht den Ruhetag um einen Tag nach hinten verschieben und morgen den Rest der heutigen Etappe fahren?
Nachdem ich meine Entscheidung getroffen habe, gehe ich kurz in den Supermarkt, hab mir heute ein Bier gegönnt.
Als ich rausgehe ruft mir jemand hinterher...
Richard und seine Frau sitzen im Supermarkt und trinken Kaffee. Die beiden machen heute einen Ausflug auf eine Insel. Wie klein die Welt (bzw. Island) doch ist.
Als ich abends in der Küche/Aufenthaltsraum des Campingplatzes sitze (im Zelt ist es zu windig) und ein bisschen im Netz surfe (WLAN & Strom sind ja vorhanden) kommt ein Pärchen auf mich zu, mit denen ich mich gestern kurz unterhalten hatte. Die beiden hatten mich heute (im Auto) überholt, waren aber trotzdem schwer beeindruckt von meiner Leistung den Berg hoch... Wollten eigentlich an diesem Abend wo anders Zelten, ihnen wurde aber von abgeraten, da Zelte wegfliegen könnten.
Etappe 8.2
Die Nacht war stürmisch, von der vorhergesagten Abschwächung nichts (oder nur sehr wenig) zu merken...
Am Morgen beginne ich erneut zu grübeln, ob meine Entscheidung wirklich richtig war oder ob ich doch den Bus nehmen sollte.
Was soll, auf einen Versuch kommt es an.
Also kein Bus, Ruhetag ist verschoben, auf dem Plan steht der Rest von gestern.
Dass die ersten 20 Kilometer hart werden würden, war klar. Größtenteils bergauf und Richtung Norden, was an diesem Tag bedeutete: Gegen den Wind.
Gehe mehrere Szenarien durch: bis wann muss ich wo sein? Unter welchen Umständen drehe ich um und nehme morgen den Bus?
Ich rede mir ein „Ach, wenn die Route nach Westen abknickt, wird es besser...“
Als die Route nach Westen abknickt wurde es besser, nicht viel, aber besser.
Auch habe ich immer noch die Frage im Kopf, was mache ich an dem Abzweig auf den „festen Kies“? Fahre ich den längeren Weg auf der Straße oder den kürzeren mit mehr Höhenmetern über die 28,5km „festen Kies“?
Nachdem mit am Vormittag die Füße immer kälter geworden sind, trage ich seit dem Mittag Zipper-Beutel um die Füße, das hilft zumindest ein bisschen.
Ich dachte das Highlight der Etappe wäre der doppelte Anstieg nach ca. 80km. Zuerst 5km mit 6%, direkt gefolgt (bzw. 1,5km später) von 2km mit 5%...
Doch oben angekommen muss ich feststellen, dass die Steigung gar nichts war. Auf dem Hochplateau gibt es nichts mehr, was den Wind aufhält und dieser bläst mit voller Kraft, rechts, links, mitten ins Gesicht. Die Entscheidung, welchen der beiden Wege ich nehme ergibt sich von selbst. Bei dem Wind und mit meinem Setup habe ich keine Chance über den „festen Kies“. Ich beiße die Zähne zusammen, ich habe noch 50km vor mir...
Der Tag wird hart, lang und sehr anstrengend...
Als ich auf dem Zeltplatz ankomme, merke ich, dass ich kein Netz habe. Nach dem ich mein Zelt aufgebaut habe, gehe ich zum Restaurant, die haben WLAN und ich will mich bei meiner Elea melden. Von der Bedienung im Restaurant erfahre ich, dass Elea dort bereits angerufen hat. Dadurch, dass ich kein Netz hatte, ist natürlich auch mein live-Tracking ausgefallen und man hat begonnen sich leichte Sorgen zu machen, vielen waren ja auch die widrigen Bedingungen des Tages bekannt.
Danke für eure Sorgen und euer mitfiebern <3
Am Abend auf den Platz treffe ich ein Schweizer Pärchen, die mit Gravelbikes das Hinterland unsicher machen, auch die beiden hatten einen schweren Tag hinter sich.
Etappe 9
Noch eine stürmische und sehr kalt Nacht.
Auch am Morgen: stürmisch und kalt - man kann den Atem sehen. Nieselregen...
Gehe diesen Tag entspannt an, sind nur 70km.
Es bleibt windig, aber zumindest so, dass man vernünftig fahren kann, ohne sich Sorgen zu machen in den Verkehr oder von der Straße geblasen zu werden...
Der Weg führt vorbei an heißen Quellen, wie liebe ich den Geruch nach faulen Eiern.
Der Zeltplatz liegt direkt am See, das Wasser hat eine reichlich „unnatürlich“ Farbe.
Ich will gerade duschen gehen, als zwei Amerikanerinnen ins Gebäude kommen und über "the Biker bloke“ reden (sie merken nicht, dass ich in einer Kabine bin und das Gespräch mitbekomme):
"I would never put my tent and all the stuff on a Bike, go to a foreign country and Go cycling. I'm Mad, but Not that Mad..."
Etappe 10
Noch 105 km bis zum Ruhetag...
Schon auf den Zeltplatz sind mir zum ersten Mal die große Anzahl von Micro-Fliegen aufgefallen, aber was mir an diesem Vormittag alles um die Ohren (und in sämtliche Öffnungen) geflogen ist, war einfach widerliche - die Schwärme konnten locker mit den größten schwärmen in Schottland, Norwegen oder Schweden mithalten...
Am Mittag nahm der Wind wieder leicht zu, aber überhaupt kein verglich zu den Tagen zuvor, dafür beginnt es zu regnen. Es ist nass und arschkalt!
Natürlich liegt das Hostel auf einen Hügel, außerhalb des Zentrums, also noch eine letzte Anstrengung. Nach der Dusche gehe ich im Supermarkt kurz eingekauft, hole mir auf dem Rückweg bei Dominos eine Pizza und genieße den Abend.
Ruhetag
Das Wetter am Ruhetag ist immer noch mies und lädt so gar nicht dazu ein etwas außerhalb des Zimmers zu machen.
Im Supermarkt (dieser macht erst zum 10 auf) besorge ich mir Frühstück, später mache ich einen kurzen Abstecher in die Stadt, kaufe mir Überschuhe (Zipper-Tüten um die Füße sind echt unbequem) und Proviant für die restlichen Tage.
Den Rest des Tages nutze ich dazu meine Routenplanung anzupassen. Nach den Erfahrungen mit den Wegen und dem aktuellen Wetter werde ich wohl auf den Abstecher in die Westfjorde (Vestfirðir) verzichten.
[So wurde aus Etappe 14 (nach Norden in die Westfjorde
Das ich diesen Teil auslasse war von Begin an eine Option, dennoch war ich etwas enttäuscht, dass ich diese nun ziehen musste.
Sonst war der Ruhetag mal absolut langweilig.
Etappe 11
Ausgeruht ging es am nächsten Tag weiter. Eigentlich eine schöne Tour, immer auf und ab, immer zwischen den grünen Hügeln lang.
Leider gab es am Morgen Nebel und kaum Sicht und am Mittag wieder reichlich Wind ins Gesicht.
Der Zeltplatz liegt bei einem Bauernhof, in der Nähe eines (sehr) kleinen Dorfes, direkt neben der "Stadthalle"/Theater/Kino,... in diesem Gebäude waren auch die Duschen – leider ohne Druck. Dennoch ein schöner Platz und ein klasse Abend.
Etappe 12
Für die ersten 30 km und ganz besonders für die letzten 8km gab es wieder sehr heftiger Gegenwind, der Rest des Tages verläuft mit wechselndem Wind (eher Rückenwind) zwischen den grünen Hügeln entlang...
Landschaftlich - ebenso, wie bereits Etappe 11 - echt schön, aber es fehlen die richtigen Highlights.
Zur Halbzeit des Tages treffe ich 2 Radler aus Kanada, die beiden sind bei Tag 3, und fahren im Uhrzeigersinn - heute hatte ich den besseren Wind.
Mehr als an anderen Tagen fällt mir auf, dass Autofahrer hinter mir warten, wenn Gegenverkehr kommt, sehr löblich. Leider natürlich nicht alle...
Bei ca. km 90 kommt mir das größtes Autofahrer-Arschloch der Tour entgegen:
Der Autofahrer kommt aus entgegengesetzter Richtung und überholt gerade einige Wohnwagen. Auch als er mir näherkommt, macht er keine Anstalten sich wieder einzureihen. Ich muss tatsächlich auf den Kies ausweichen und halten, damit mich der Spinner nicht erwischt.
Auf den Zeltplatz treffe ich erneut 3 Reisende aus Deutschland, ein Bayer mit einem Roller, zwei Ossis mit Motorrad.
Etappe 13
Der Morgen startet erneut mit Nieselregen und es ist arschkalt! Zusammenpacken macht so wirklich keinen Spaß.
Zu Beginn des Tages erwartet mich ein dicker Hügel - stetig aufwärts bis Kilometer 25 – bis zu diesem Punkt habe ich einen Durchschnitt von 15km/h. Den Rest des Tages geht es eher abwärts und das alles mit Rückenwind, so komme ich über den gesamten Tag auf einen Schnitt von 21km/h 😊
Der Zeltplatz liegt in einer netten kleinen Stadt zwischen Bergen und Fjord.
Etappe 14
Ein Großteil der letzten Etappe führt entlang des Hvalfjörður.
Ein Tunnel, der Weg ca. 45km kürzer gemacht hätte, bleibt mir – wie allen anderen Radfahrern verwehrt.
Es gibt den Tag keine großen, lange Anstiege, aber wie so oft in den letzten Tagen geht es den ganzen Tag ständig auf und ab, zwischen den Hügeln entlang der Küste. Dies sammelt sich zu über 1000 Höhenmetern.
Auch das Wetter spielt an diesem Tag mit, fast ein Tag, wo man auch aus reiner Lust aufs Rad steigen würde, au wenn man gerade kein Projekt macht. Gegen Mittag sehe ich den ersten Radfahrer (Rennrad) ohne Gepäck, der einfach nur fährt um zu fahren.
Ca 20km vor Reykjavík beginnt der Fahrradweg, es ist wirklich schön von der Straße zu kommen.
In der Nähe von Reykjavik sieht man immer mehr Fahrradfahrer/Rennradfahrer, dennoch wird es (wir immer in einer Stadt) zäh, Ampeln, Autos & Fußgänger...
Zu meinem Glück ist es auch an diesem Sonntag möglich einzukaufen, so steht einem gemütlichen Abend nicht viel im Weg.
Meine Tage in Reykjavík verbringe ich mit quasi typischem Turi-Kram.
Tag 1: eher gemütlich, mit einer Handy-Stadttour („Escape Tour“ – Schnitzeljagd-Style) und Sightseeing.
An Tag 2 gönne ich mir 2 Touren mit dem Boot in/den Faxaflói zuerst zum Whale-Watching, dann noch im Papageitaucher (Puffins) zu beobachten.
An Tag 3 folgt dann eine Bus-Tour zu den Highlights des Golden Circle mit unserem Guide Giuseppe (leider wusste man nie genau, ob er Island oder Isländer meinte, wenn er etwas erklärt hat, beides war für ihn "Eislända"):
Teil des Golden Circle umfasse das Mid-Atlantic Ridge / The Rift Valley – also einen Teil zwischen den Kontinentalplatten Europa und Amerika. Auch zu historischen zeiten hatte diese Stelle am Þingvallavatn („See des Parlaments“) Bedeutung, da sich hier jedes Jahr die reichten und wichtigsten Männer Islands getroffen haben.
Die weiteren Halte waren der Strokkur (das größte ständig aktive Geysir Islands), der Gullfoss (ein gigantischer, zweistufiger Wasserfall) und zum Abschluss der Kerið-Krater mit See.
Etappe 15
Es folgte der Abschluss meiner Tour, ich wollte ja die Runde auch noch tatsächlich beenden.
Leider spielte das Wetter an diesem Tag so gar nicht mit. Den ganzen Tag war ich bei mehr oder weniger starkem Regen unterwegs. Zumindest machte mir der Wind an diesem Tag keine größeren Probleme. Dennoch waren die ersten 20 Kilometer reichlich zäh, da diese durch Reykjavík und weitere Vororte führte, also bestimmten Ampeln, Autos, Baustellen und Umleitungen diesen Teil der Tour.
Meine Unterkunft für den letzten Abend war wieder bei Anna – ebenso wie an meinem ersten Abend. Ich brachte mein Fahrrad in die Garage, wo der Karton schon wartete.
Ab unter die Dusche und noch einen letzten ruhigen Abend in Island genießen.
Am nächsten Morgen geht mein Wecker sehr früh (4:44). Eine schnelle (kalte) Dusche um wach zu werden, die letzten Sachen packen, den Karton über die Schulter schnallen und auf dem Fahrrad zum Flughafen (die 4km kenne ich ja noch). Auch an diesem Morgen nach wie vor Regenwetter, so kommt sowohl ich, wie auch der Karton bereits nass am Flughafen an. Egal, Fahrrad soweit es nötig ist auseinandernehmen (Pedale, Lenker), Luft aus den Reifen und ab in den Karton, zusammen mit dem Zelt. Das Aufgeben des Gepäcks erweist sich als etwas abenteuerlich, ich muss - zusammen mit der Frau, die mein Gepäck entgegen nimmt - quer durch den Flughafen auf der Suche nach einem Band, auf dem man ein Fahrrad wiegen kann. Auf Grund von baulichen Maßnahmen ist dies nicht überall möglich. Aber auch das verursacht keinen Stress, ich habe reichlich Zeit bis zum Abflug.
Der Flug als solches erfolgt scheinbar mit Rückenwind, wir landen 20 Minuten vor der Zeit in Düsseldorf. Leider bringt uns das nicht viel, auf unser Gepäck müssen wir fast 90 Minuten warten.
Egal, ich bin wieder daheim.
So schön es auch in Island war, ich bin auch froh wieder hier zu sein und von meiner Liebsten in Empfang genommen zu werden.
























